life2do Kolumne von Danijela Savković


Alter for Schönheit
 
Eine Frau, die ihr wahres Alter verrät, ist angeblich nicht vertrauenswürdig, sagt Oscar Wilde. Und weil ich finde, dass er ganz viele tolle Sachen gesagt hat, verrate ich mein wahres Alter an dieser Stelle nicht. Auch wenn ich mit der Zahl kein Problem habe – ganz im Gegenteil. Aber so viel kann ich sagen: In Promi-Jahren bin ich eine solide 29.
 
Ganz ehrlich: Ich möchte keine 18 mehr sein. Ja, vieles war einfacher. Man konnte die Nächte durchfeiern, sah anschließend im Tageslicht noch akzeptabel aus und konnte trotzdem mehr oder weniger fit zur Arbeit gehen. Man konnte Alkohol besser ab und wenn die Party vielversprechend genug war, hat man auch mal ’ne Stunde irgendwo in der Kälte gestanden. Das Leben war auch irgendwie günstiger. Man wohnte noch bei den Eltern, man buchte 2 Sterne Hotels, weil man sowieso nur wenige Stunden zum Schlafen in dem Zimmer verbrachte und kaufte sein Make Up im Drogeriemarkt. Ja, rückblickend betrachtet war damals vieles einfacher, aber auch ganz schön ungemütlich und manchmal auch schlimm angemalt. Man war nun mal dabei herauszufinden, wer man sein will und wie dieser jemand am besten in Szene gesetzt werden kann. Deshalb durften Mode und Make Up auch nicht so viel kosten, man entschloss sich ja jede Woche für eine neue Lieblingsfarbe und änderte fast täglich seinen Kleidungsstil. Wenn man es denn Stil nennen möchte. Und alle die jetzt glauben, dass ich übertreibe, gucken sich bitte schnell mal ein paar alte Fotos von sich an.
 
Ich will aber nicht alles schlecht machen. Meine Sturm und Drang Zeit war ganz toll. Großartige Partys, denkwürdige Urlaube, experimentelle Farberlebnisse und davon ganz viel. All das brauchte ich, um herauszufinden, was zu mir passt. Bei Make Up habe ich meinen Weg gefunden und kaufe ausschließlich bei MAC – außer meinen Concealer „Touche Éclat“, der ist von Yves Saint Laurent und meinen Nagellack, der ist von OPI. Auch bei Partys und Urlaub mache ich keine Kompromisse mehr. Wenn ich auf eine Party gehe, ist der einzige Platz auf dem ich stehen will die Gästeliste und einen Urlaub unter 4 Sternen buche ich gar nicht erst. Natürlich ist nicht alles besser, wenn man älter wird. Man bekommt Falten und graue Haare, aber man hat jetzt auch das Geld, sich darum zu kümmern. Meine paar Fältchen trage ich derzeit noch mit Würde, aber meinen „George Clooney“, wie ich meinen grauen Haaransatz liebevoll nenne, lasse ich regelmäßig im Studio Endorphine wegzaubern. Und um das von Kopf bis Fuß Erlebnis zu komplettieren, gönne ich mir noch eine Pediküre gleich gegenüber bei Adam & Eve.
 
Vielleicht klingt das hier alles ein wenig oberflächlich. Empörtes Schnauben: „Es geht doch im Leben nicht nur um Partys, Urlaub und das Aussehen!“ Nein, natürlich nicht. Aber wenn wenigstens das schon mal stimmt, hat man mehr Zeit, sich über Zwischenmenschliches Gedanken zu machen und die Zeit braucht man – je älter man wird. Mehr Lebensjahre = mehr Lebensgeschichten = mehr Macken – auf allen Seiten. Aber egal wie anstrengend das manchmal werden kann, wenigstens ist der Kopf, den man sich zerbricht, hübsch zurechtgemacht.
 
Und hier die wichtigste Erkenntnis, mit der ich mein Plädoyer fürs Älterwerden beenden möchte: Je älter man wird, desto unwichtiger wird es, was die anderen denken. Bin ich cool genug? Hab ich das richtige an? Die richtigen Freunde? Komme ich in den Club rein? Klar bin ich cool. Meine Klamotten sind der Hammer, meine Freunde sowieso. Und natürlich komme ich in den Club rein. Ich stehe doch auf der Gästeliste. Wie sagte es Conrad Adenauer so schön? „Die einen kennen mich, die anderen können mich.“
 


Profilneurosen und anderes Unkraut

Letztens twitterte der Vergraemer: „Früher war es schwerer, den Kontakt zu halten als ihn einzustellen. Heute ist es umgekehrt. Weiß noch nicht, ob das ein Fortschritt ist.“ Das brachte mich zum Nachdenken. Macht es uns das Internet heutzutage tatsächlich schwerer, jemanden aus den Augen zu verlieren? Wenn man online ist, dann ja. Facebook, Xing, Instagram und Twitter sei Dank – oder auch nicht. Man bekommt dort irgendwie immer etwas vom Leben des Anderen mit – ganz automatisch, selbst wenn man die Person löscht. Denn je länger man sich kennt, desto mehr gemeinsame „Freunde“ hat man mit der Zeit und dann wird mal hier mal dort etwas kommentiert, ein Foto wird hochgeladen und es wird gemeinsam irgendwo eingecheckt. Man weiß, wo er ist, man weiß, mit wem er da ist und man kann sehen, wie es da war. Früher waren die Freunde pietätvoll und haben den anderen einfach nicht mehr erwähnt und wie sagt man so schön: aus den Augen, aus dem Sinn. Heute dauert das alles ein bisschen länger, bis man jemanden vergessen hat. Dafür lernt man aber auch schnell jemanden besser kennen. Man added den Typen vom Wochenende bei Facebook und kann sich seine Freunde ansehen, seine Fotoalben und welche Interessen er hat. Da weiß man ziemlich schnell, mit wem man es zu tun hat. Wie schreibt er, was schreibt er und worüber schreibt er? Aber die wichtigste Frage lautet: „Echt jetzt?!“ Denn im Internet kann man sein, wer man will. Der tut vielleicht nur so. Und bei Facebook tun ziemlich viele nur so.

 

Hand hoch, wer kein Fake-Profil hat! Aha, habe ich es mir doch gedacht. Also gegen ein Fake-Profil ist im Grunde gar nichts zu sagen. Ich habe eins für den Job, mit dem ich allen möglichen Kram like, um auf dem Laufenden zu bleiben – ich will diesen ganzen Apps einfach keinen Zugriff auf mein „echtes“ Leben erlauben. Ich persönlich spiele nichts bei Facebook, aber Freunde von mir haben ein zweites Profil, um bei FarmVille besser wirtschaften zu können. Das ist alles harmlos. Kritisch wird es erst, wenn die Menschen anfangen, Facebook mit den Sims zu verwechseln und sich regelrecht virtuelle Welten zu erstellen, indem sie Leute erfinden, die sie dann zum Leben erwecken. Sie posten in ihrem Namen, verlinken sich mit ihnen zusammen auf Partys, unterhalten sich, flirten und um dem Ganzen die nötige Glaubwürdigkeit zu verleihen, garnieren sie das Fake-Profil mit Bildern aus dem Internet. Anwendungen wie z. B. Instagram bieten sich dafür geradezu an. Dort halten manche Menschen ihr ganzes Leben in Bildern fest und teilen es mit der Welt. Da kann man sich dann bedienen – einfach ein paar Fotos runterladen und bei Facebook einstellen, schon hat man einen neuen Menschen erfunden. Warum jemand so ein Theater veranstalten würde? Vielleicht um sich selbst etwas interessanter aussehen zu lassen oder jemanden eifersüchtig zu machen oder um sich einen Spaß zu erlauben. Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung. Aber neugierig wäre ich schon.

 

Nicht falsch verstehen, auch wenn ich gerade kritisch klinge, ich verteufele Social Media nicht. Ich mag die Möglichkeiten, die sich dadurch bieten. Ich kann sehen, wie es meinen Freunden geht, selbst wenn wir gerade mal keine Zeit haben, um gemeinsam einen Kaffee trinken zu gehen. Ich werde an Geburtstage erinnert, zu Veranstaltungen eingeladen, ich kann das Baby meiner Cousine sehen, die 1000 km weit weg wohnt und ich kann alte Kontakte aufrechterhalten sowie neue knüpfen. Und ich habe über Facebook tatsächlich schon sehr großartige Menschen wiederfinden und kennenlernen können.

 

Lieber Vergraemer, ich weiß auch nicht, ob es ein Fortschritt ist, aber auf jeden Fall ist es eine Veränderung. Vielleicht ist Social Media die neue evolutionäre Herausforderung. Wir werden uns nicht körperlich der Umwelt anpassen, sondern emotional. Uns werden keine Kiemen wachsen, aber vielleicht so etwas wie Menschenkenntnis.